Wie Lieferdienst Start-ups den Apotheken vor Ort Konkurrenz machen

Mit Handy bestellen und nach Hause liefern lassen. Was bei Burgern und Pizza perfekt funktioniert, ist bei Medikamenten etwas schwieriger. Doch mit der Einführung des E-Rezepts scheint der Apothekenmarkt für Start-ups geöffnet.

Gerade in Städten sind es die Menschen gewohnt, Pizza, Bier oder Chips mit einer Smartphone-App an die Haustür liefern zu lassen. In Bezug auf Medikamente ist es eher die Regel in die nächstgelegene Apotheke zu gehen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Apotheker wissen bestens über die Nebenwirkungen und Risiken Bescheid und ihre Beratung funktioniert vor Ort und rein rechtlich betrachtet kann dies von Lieferdiensten nicht so ohne Weiteres übernommen werden. Dennoch versuchen mehr und mehr Start-ups genau diese Lücke zu schließen.

 

Patient muss zu Arzneien aufge­klärt werden

„Jeder Friseur nutzt Online-Buchungs- sowie digitale Verwaltungssysteme“, so die Aussage eines Apotheken-Lieferdienstes namens Mayd. „Bei Apotheken gibt es diese digitale Verbindungsstelle überhaupt nicht und genau dort positionieren wir uns als Lieferdienst“, so Mayd weiter. Der Lieferdienst versteht sich als Brücke zwischen Kunden und der lokalen Apotheke vor Ort.

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Patienten können mit einer App rezeptfreie Arzneien in der Apotheke vor Ort ordern und die Medikamente per Express liefern lassen. Ein Fahrer des Lieferdienst-Start-ups sammelt die Bestellung bei der Apotheke ein und liefert diese innerhalb einer halben Stunden nach Hause und das auch sonntags und nach Ladenschluss. Sicherstellen muss die Apotheke, dass der jeweilige Patient dennoch über das Medikament aufgeklärt ist, dies kann mittels Telefon oder auch über die Plattform geschehen.

Das neue E-Rezept soll Erleichterung in der Abwicklung bringen

Viele Start-ups sehen ein enormes Potenzial für Lieferdienste bei Apotheken. Bei Investoren wurden Millionen eingesammelt, um in die deutschen Metropolen zu expandieren. Sie alle setzen und setzten große Hoffnung auf die Einführung des E-Rezeptes, was ja nun seit dem 1. September aktiv ist. Die Rezept-Übergabe zwischen Apotheke und Arzt kann also jetzt automatischer ablaufen.

Durch das E-Rezept könnten Lieferdienste also durchaus einfacher auch rezeptpflichtige Medikamente von Apotheke zu Patienten liefern – vorausgesetzt, dass die Patienten zuvor über die Arznei aufgeklärt wurden. Auch wenn dieser Markt sicher eine Zukunft hat, sieht es in der Realität noch etwas anders aus. Einige der Start-ups haben zwischenzeitlich aufgegeben. Andere wurden von Versandapotheken genommen und ein Anbieter in Berlin steht unter starkem Beschuss wegen der Botendienststruktur. Es wird also noch eine Weile dauern, bis sich der Lieferdienst-Markt für Medikamente strukturiert hat.

Auch Apotheken selbst sind aktiv hinsichtlich Lieferungen. Einige haben schon seit Jahren einen eigenen Botendienst, weil auch sie erkannt haben, dass dies notwendig ist. Andere Apotheken haben einen eigenen Lieferdienst etabliert. Der Markt ist also voll in Bewegung.

Sicherheit des E-Rezepts

Zu den Problemen der Marktkonsolidierung kommen aber noch ganz andere hinzu. Einerseits gibt es seit kurzer Zeit das Problem, dass ganz offensichtlich einige Softwarehäuser, die Apotheken ausstatten, nicht mit dem Hersteller der Konnektoren, die für das Einlösen des E-Rezeptes notwendig sind, zusammenarbeiten oder diesen aktiv aus den Apotheken aussperrt. So können rund 40 Apotheken derzeit keine E-Rezepte annehmen.

Andererseits gibt es schon seit längerer Zeit Bedenken seitens der Datenschützer und dem Einlösen eines E-Rezeptes mit der elektronischen Gesundheitskarte. Patientendaten seien nicht sicher genug, weil das System zu leicht kompromittiert werden könne. Diese Bedenken haben nun Futter bekommen, denn dem Chaos Computer Club ist es gelungen in die TI (Telematik Infrastruktur) einzudringen und Daten auszulesen.

Sowohl im Bereich Lieferdienste als auch beim Thema Sicherheit ist somit wohl erst noch einiges nötig, damit aus beidem, Lieferdienste für Medikamente und dem E-Rezept, eine erfolgreiche Geschichte wird.

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